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Holle (hs). Der Holler Martinimarkt scheint immer mehr ein Garant zu werden, wenn es um überlieferte handwerkliche Fertigkeiten und modernes Kunsthandwerk geht. Darauf legt der organisierende Verein „Holle präsent“ großen Wert.

Weit über 1000 Besucher schlenderten gestern Nachmittag durch die eng gewordene Bertholdstraße und überzeugten sich, dass dieses Konzept aufgegangen ist. Mit 115 Ausstellern wurde sogar die visionäre Grenze von 100 überschritten.

Das Drechslerhandwerk war gleich zweimal vertreten: Mit eher feiner, filigraner Präzisionsarbeit von Horst Husemann aus Derneburg, der seit Jahren auf dem Stand vertreten ist. Aus weichem Essigbaumholz stellte er an der Drehbank kleine Pilze her und verschenkte sie an Kinder. Kaum zwei Minuten vergingen, da war das Modell fertig. Nicht ganz so freigiebig war er mit den ausgestellten Kerzenständern, Schalen oder Flaschenöffnern. Dafür nahm er einen symbolischen Preis. Meist geht er seinem Hobby im Keller nach, wenn schlechtes Wetter ist. Und auf die Frage, was er mit einem missglückten Exemplar macht, verriet er: „Dafür habe ich einen Ofen.“

Ein ohrenbetäubendes Geräusch machte am Ortsausgang der Hildesheimer Hartmut Swazinna mit einer Kettensäge. Er hantierte geschickt 30 Minuten mit dem Gerät, bis ein mittelgroßes Pilzmotiv fertig war, das er für 15 Euro anbot. Vorher kommt noch Holzfarbe drauf und schon steht er da, der gefährliche Fliegenpilz. Swazinna frönt dem Hobby seit fünf Jahren und ist regelmäßig auf Märkten in Braunschweig, Wolfenbüttel oder Asel dabei. In Holle war es sein erster Auftritt, der von den Zuschauern viel bestaunt war.

Die Handwerksgruppe des Heimatund Kulturvereins Groß Lafferde war mit Martin Olbrich und Jürgen Brandes vertreten. Das Duo schmiedete Bauklammern, Nägel, Krampen, Gewandspangen und Halsbänder, die im Mittelalter Ritter als Schmuck trugen. Als Drehorgelspiegel sorgte F. H. Mathias aus Goslar mit Märschen, Walzern, Ständchen und alten Schlagern für Stimmung. Die Jazz- und Linedancer des TuS Holle- Grasdorf, das Hackenstedter Bläsercorps, das am Tag zuvor ein Konzert in der Sporthalle gegeben hat, und der Spielmannszug des KKS Holle lockerten das Programm mit Darbietungen in bunter Folge auf. Bänkelsänger Hans-Fabian Schimmelpfennig, der schon im September beim Braufest in Grasdorf für viel Aufsehen sorgte, zog mit seiner Sackpfeife (Dudelsack) durch die Reihen.

Weil es das Datum so fügte, standen zwei überregionale Ereignisse auch während des Marktes im Vordergrund. Den Reformationstag würdigten in einem Stand der Kirchenregion Holle Pastor Matthias Spiegel-Albrecht in Martin-Luther- Kluft und Kirchenvorsteher Gerhard Klein in historischer Kleidung. Sie priesen Schmalzbrote sowie helles und dunkles Lutherbier an, das Pastor Peter Michael Wiegandt in 30 Kästen in Wittenberg gekauft hatte. „Das ist unsere Antwort auf Halloween“, sagte er. Denn dieser Tag wird am 31. Oktober meist in Irland und den USA gefeiert. Ein bisschen Stimmung dieser Art kam zum Kehraus rüber, als Kinder mit Lampions durch das Dorf zogen und von St. Martin hoch zu Ross begleitet wurden.

Roswitha Hoppe, Vereinsvorsitzende von „Holle präsent“, die den 17. Martinimarkt eröffnet hatte, war in der Bilanz mit dem Ergebnis „sehr zufrieden“. Einmal, da von Bürgermeister Klaus Huchthausen viel Lob für den Veranstalter kam, und weil sich eine bunte Vielfalt an traditioneller Kunst präsentierte. Der in der Angebotspalette neue Antikund Trödelmarkt in einem Glasgebäude sei noch steigerungsfähig, meinte sie. Dafür dürfte es in der Vereinskasse kräftig geklingelt haben. „Den Gewinn behalten wir nicht für uns, sondern geben der Gemeinde etwas zurück, indem wir kulturelle und soziale Projekte fördern“, betonte sie.

Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 1.11.2010