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Änderungen im Lohnsteuerverfahren 30.09.2010


(Holle/Schellerten) Mit der Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte soll die bisherige Lohnsteuerkarte ab dem Jahr 2012 durch ein elektronisches Verfahren ersetzt werden. Die Angaben der bisherigen Vorderseite der Lohnsteuerkarte (Steuerklasse, Kinder, Freibeträge und Religionszugehörigkeit) werden in einer Datenbank der Finanzverwaltung zum elektronischen Abruf für die Arbeitgeber bereitgestellt und künftig als Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale (ELStAM) bezeichnet.

Die Einführung des Verfahrens erfolgt stufenweise bereits ab 2011, damit das elektronische Verfahren ab 2012 starten kann.

Wesentliche Änderungen 2011:

  • Die Gemeinden haben letztmalig für 2010 eine Lohnsteuerkarte ausgestellt (d. h. die Gemeinden werden keine Lohnsteuerkarten für das Kalenderjahr 2011 mehr an die Bürgerinnen und Bürger versenden).
  • Die Lohnsteuerkarte 2010 gilt mit sämtlichen eingetragenen Merkmalen auch für das Kalenderjahr 2011 fort.
  • Ab dem 1. Januar 2011 ist Ihr Wohnsitzfinanzamt für sämtliche Eintragungen auf der Lohnsteuerkarte 2010 einheitlich zuständig und nicht mehr die Gemeinde. Haben sich die Lohnsteuerabzugsmerkmale im Kalenderjahr 2011 gegenüber 2010 geändert, wenden Sie sich bitte an Ihr örtlich zuständiges Finanzamt. Die gilt auch, wenn die Gemeinde Ihnen keine Lohnsteuerkarte 2010 ausgestellt oder die Lohnsteuerkarte 2010 verloren gegangen, unbrauchbar oder zerstört worden ist. In diesen Fällen stellt Ihr Finanzamt Ihnen ersatzweise eine Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug 2011 aus.

    Hintergrund:

    Für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer ist es ganz selbstverständlich, dass der Arbeitgeber die Lohnsteuer automatisch an die Finanzverwaltung abführt. Um dies zu erreichen benötigt der Arbeitgeber jedoch Informationen (so genannte Lohnsteuerabzugsmerkmale) von seinen Arbeitnehmern, wie z.B. die Steuerklasse, die Religionszugehörigkeit, die Zahl etwaiger Kinder oder die Höhe bestimmter Freibeträge. Die Informationen, die der Arbeitgeber bislang nur von der Lohnsteuerkarte seines Arbeitnehmers erhalten hat, werden ihm im neuen Verfahren elektronisch zum Abruf bereitgestellt. Zentrales Ordnungsmerkmal im neuen Verfahren ist die Identifikationsnummer der Bürgerinnen und Bürger.

    Die Einführung der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale ist eingebetet in das Ziel der Steuerverwaltung, die Kommunikation zwischen Bürger, Unternehmen und Finanzamt individuell, papierlos und sicher auf elektronischem Wege zu ermöglichen.

    Ausblick:

    Die bislang auf der Lohnsteuerkarte eingetragenen Besteuerungsmerkmale werden voraussichtlich ab 2012 vollständig in elektronischer Form bereitgestellt und in einer Datenbank des Bundeszentralamtes für Steuern zentral verwaltet. Damit das elektronische Verfahren ab 2012 Anwendung finden kann, erfolgt die Einführung stufenweise bereits ab dem Kalenderjahr 2011.

    Im Kalenderjahr 2011 ändert sich für Sie Folgendes:

    Lohnsteuerkarte 2010

    Im Jahr 2009 haben Sie letztmalig eine Lohnsteuerkarte für das Jahr 2010 erhalten. Die Papierlohnsteuerkarte 2010 gilt mit den Eintragungen auch im Jahr 2011 bzw. bis zur Einführung des elektronischen Verfahrens.

    Zukünftig ist ab dem 1. Januar 2011 für Eintragungen und Änderungen auf der Lohnsteuerkarte ausschließlich das Finanzamt zuständig. Die Lohnsteuerkarte 2010 behält bis zur erstmaligen Anwendung der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale ihre Gültigkeit. Der Arbeitgeber muss die Lohnsteuerkarte nach Ablauf des Jahres 2010 weiter aufbewahren und die darauf enthaltenen Eintragungen auch für den Lohnsteuerabzug im Jahr 2011 zugrunde legen. Erst nach Einführung des elektronischen Verfahrens im Jahr 2012 darf die Karte wie bisher vernichtet werden.

    Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind jedoch verpflichtet, die Eintragungen hinsichtlich der Steuerklasse und der Zahl der Kinderfreibeträge auf der Lohnsteuerkarte 2010 umgehend durch das Finanzamt ändern zu lassen, wenn die Eintragung von den Verhältnissen zu Beginn des jeweiligen Kalenderjahrs im Übergangsjahr 2011 zu ihren Gunsten abweicht.

    Diese Anzeigepflicht gilt nicht, wenn sich Änderungen bei den eingetragenen Freibeträgen auf der Lohnsteuerkarte ergeben. Beachten Sie bitte, dass überhöhte Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte zu einer Steuernachzahlung führen können.

    Durch den Zuständigkeitswechsel werden insbesondere folgende Aufgaben, die bisher von den Gemeinden erledigt wurden, mit Wirkung ab 1. Januar 2011 auf die Finanzämter übertragen:

    • Steuerklassenwechsel/ -änderungen
      • nach Heirat
      • nach Trennung oder Beendigung der Trennung von Ehegatten
      • Steuerklasse II (z. B. nach Geburt eines Kindes bei Alleinstehenden)
    • Kinder unter 18 Jahren

    Benötigen Sie im Jahr 2011 erstmalig eine Lohnsteuerkarte, stellt das zuständige Wohnsitzfinanzamt Ihnen auf Antrag eine Ersatzbescheinigung aus. Die Ersatzbescheinigung stellt das Finanzamt z. B. in folgenden Fällen aus:

    • Erstmalige Aufnahme einer nichtselbständigen Tätigkeit (z. B. als Angestellte/ Angestellter)
    • Aufnahme einer weiteren nichtselbständigen Tätigkeit ( z. B. Zweitjob - Steuerklasse VI)
    • Verlust, Unbrauchbarkeit oder Zerstörung der Lohnsteuerkarte 2010,
    • Arbeitgeber hat die Lohnsteuerkarte 2010 irrtümlich vernichtet.

    Damit das Finanzamt Ihnen eine Ersatzbescheinigung ausstellt, genügt im Fall der persönlichen Vorsprache im Finanzamt neben dem o.g. Antrag die Vorlage eines Identitätspapiers (z. B. eines Personalausweis). Sie können den Antrag auch an das Finanzamt per Post übersenden.

    Den entsprechenden Antrag zur Ausstellung einer Ersatzbescheinigung können Sie bei Bedarf hier (Vordruck ELStAM4) abrufen, ausdrucken, ausfüllen und unterschrieben bei Ihrem Finanzamt abgeben.

    Alternativ erhalten Sie den Vordruck Antrag Ausstellung einer Ersatzbescheinigung auch in Ihrem Wohnsitzfinanzamt.

    Beginn einer Ausbildung in 2011

    Beenden Sie im Kalenderjahr 2011 Ihre Schulausbildung, ist aus Vereinfachungsgründen keine Ersatzbescheinigung erforderlich, wenn Sie

    • ledig und
    • unbeschränkt einkommensteuerpflichtig (Wohnung oder gewöhnlicher Aufenthalt im Inland) sind und
    • im Kalenderjahr 2011 ein Ausbildungsdienstverhältnis beginnen.

    In diesem Fall reicht es aus, wenn Sie Ihrem Arbeitgeber neben Ihrer Identifikationsnummer und Ihrem Geburtsdatum auch Ihre Religionszugehörigkeit mitteilen und ihm schriftlich bestätigen, dass es sich um Ihr erstes Dienstverhältnis handelt. Ihr Arbeitgeber kann in diesem Fall auf die Vorlage einer Ersatzbescheinigung verzichten und die Steuerklasse I unterstellen. Ein Gang zum Finanzamt ist in diesen Fällen im Regelfall dann nicht notwendig.

    Änderungen hinsichtlich der Steuerklasse (z.B. bei Heirat), der Kinderfreibeträge oder der Religionszugehörigkeit im Jahr 2011

    Für die Eintragung dieser Änderungen ist ab dem 1. Januar 2011 das Wohnsitzfinanzamt zuständig. Im Übergangsjahr 2011 besteht für die Finanzämter aus technischen Gründen keine Möglichkeit, die Daten, die bislang die Meldebehörde für die Ausstellung der Lohnsteuerkarte verwendet haben, einzusehen.

    Aus diesem Grunde ist Folgendes zu beachten:

    Haben Sie im Kalenderjahr 2011 geheiratet?

    Das Finanzamt kann nur dann die familiengerechte Steuerklasse auf der Lohnsteuerkarte 2010 oder der Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug 2011 berücksichtigen ( z. B. Steuerklasse III und Steuerklasse V), wenn Sie eine Kopie Ihrer Heiratsurkunde vorlegen.

    Ist im Kalenderjahr 2011 ein Kind geboren, für das im Lohnsteuerabzugsverfahren ein Kinderfreibetrag berücksichtigt werden soll?

    Legen Sie bitte neben der Lohnsteuerkarte 2010 eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes bei, damit das Finanzamt einen Kinderfreibetrag auf Ihrer Lohnsteuerkarte/Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug berücksichtigen kann.

    Sind Sie im Kalenderjahr 2011 aus der Kirche ein- oder ausgetreten?

    Dann kann das Finanzamt dies nur berücksichtigen, wenn Sie eine Bescheinigung des Kirchenein- oder Kirchenaustritts vorlegen.

    Ab dem Kalenderjahr 2012 ist die Vorlage der v.g. Nachweise oder Belege voraussichtlich nicht mehr notwendig.

    Weitere Informationen finden Sie hier:

    • www.elster.de („Die elektronische Lohnsteuerkarte"); dort befindet sich am Ende des Dokuments auch eine Sammlung häufig gestellter Fragen (FAQ)
    • www.bundesfinanzministerium.de (Stichwort ELStAM)

      Für Fragen zu ELStAM wurde eine Hotline eingerichtet, die Sie
      Montag bis Freitag von 7.00 bis 22.00 Uhr und
      Samstag, Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen von 10.00 bis 18:00 Uhr
      wie folgt erreichen:

      • Telefon: 01805 235099 (14 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent/Minute aus Mobilfunknetzen)
         
        E-Mail: elstam-hotline@elster.de

      Daneben geben auch die Finanzämter Auskunft.