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Corona-Diagnosezentrum Hildesheim

Am Montag, 16.03.2020 geht das Corona Testzentrum Hildesheim an den Start.

Artikel aus der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 16.03.2020

Corona-Diagnosezentrum nimmt heute den Betrieb auf: Ohne Termin kein Test

Die Vorbereitungen haben länger gedauert als geplant, heute nimmt nun aber das Hildesheimer Corona-Diagnosezentrum seinen Betrieb auf. Das Ziel: Alle Patienten, die als Verdachtsfälle gelten, sollen hier zentral getestet werden. Die Bündelung soll andere Ärzte entlasten und dafür sorgen, dass möglicherweise infizierte Personen nicht weitere anstecken, weil sie sich womöglich zu Praxen oder Kliniken aufmachen.

Die Nordstemmer Medizinerin Petra Lattmann hat als Vorsitzende des Bezirksausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) den Aufbau des Diagnosezentrums koordiniert. Vor allem die Beschaffung der notwendigen Schutzutensilien wie Ganzkörperanzüge sei schwierig gewesen, berichtet sie. Ab Montag übernehmen nun vorerst fünf Ärzte aus dem Kreis Hildesheim abwechselnd die nachmittäglichen Dienste im Diagnosezentrum.
Der Ablauf für die Patienten ist ganz klar geregelt – die wichtigste Vorgabe ist: Niemand darf einfach unangemeldet zu einem Test kommen. „Wer keinen Termin hat, wird weggeschickt“, stellt Lattmann klar. Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes wird im Einsatz sein, um den geregelten Ablauf sicherzustellen.

Wer den Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, muss sich zunächst telefonisch bei seinem Hausarzt melden. Der tritt dann mit dem Diagnosezentrum in Kontakt, vereinbart bei Bedarf einen Termin für den Patienten und faxt eine Laborüberweisung an die Kollegen, die die Tests vornehmen. Zum vereinbarten Termin muss der Patient im Diagnosezentrum erscheinen (den Ort möchte Lattmann nicht öffentlich machen, um zu verhindern, dass unangemeldete Personen den Betrieb stören). Der Arzt macht schließlich einen Abstrich im Rachenraum des Patienten. Abends werden die Proben gegen 18 Uhr abholt und ins Labor gebracht, am Nachmittag des Folgetags sollen die Ergebnisse vorliegen. Diese werden an den Hausarzt übermittelt, der dann wiederum den Patienten informiert.

Dass im Diagnosezentrum Ärzte und nicht etwa Arzthelferinnen den Dienst übernehmen, ist aus Lattmanns Sicht wichtig. „Wenn jemand im Diagnosezentrum mit akuten Beschwerden auftaucht, können die Kollegen gleich reagieren und nötige Schritte einleiten. Sonst würden bei der Behandlung womöglich wichtige Stunden vergehen.“ Im Diagnosezentrum sind zwei Wartezimmer eingerichtet: Eines für begründete Verdachtsfälle, eines für unbegründete. Begründet heißt: Der Patient hat Symptome, war in einem Risikogebiet (zum Beispiel Italien) oder hatte Kontakt zu einer infizierten Person. Unbegründet bedeutet: Der Patient hat zwar Symptome wie Husten, war aber weder in einem Risikogebiet noch hatte er nachweislich Kontakt zu einer infizierten Person. „Es kann sein, dass der Hausarzt aus verschiedenen Gründen trotzdem der Ansicht ist, dass es sinnvoll wäre, in einem unbegründeten Verdachtsfall einen Abstrich machen zu lassen“, sagt Lattmann.

Und dann gibt es noch Personen ohne Symptome, die sich aber einfach testen lassen wollen, um auf Nummer sicher zu gehen. Die müssten dann versuchen, einen Arzt dazu zu bringen, diesen Test zu machen – und den zudem selbst bezahlen, und zwar derzeit mindestens rund 120 Euro. Lattmann appelliert aber an alle, keine Tests ohne guten Grund machen zu lassen. Denn auch die nötigen Sets könnten wegen der anhaltenden Krise womöglich noch zur Mangelware werden:

Manche Labore hätten die Zusendung von Abstrichröhrchen bereits beschränkt. In Alfeld soll im Laufe der kommenden Woche ein zweites Diagnosezentrum den Betrieb aufnehmen.

 

Erklärung zum Ablauf im Testzentrum:

  • Situation: Ich habe einen Infekt mit Husten und Schnupfen, vielleicht leichtem Fieber und war in den letzten 14 Tagen in Italien, Tirol, Ostfrankreich oder China
    oder: Ich habe einen Infekt mit Husten und Schnupfen, vielleicht leichtem Fieber und war in den letzten 14 Tagen über 15 Minuten mit einem nachweislich auf Corona positiv getesteten Menschen zusammen.
  • Vorgehen: Ich rufe meinen Hausarzt an und schildere die Situation. Der Hausarzt hat nun 2 Möglichkeiten:
    Entweder er bestellt mich zu einem bestimmten Zeitpunkt in seine Praxis, untersucht mich und macht einen Abstrich. Eine eventuell notwendige Behandlung wird eingeleitet und ich bekomme ggf. eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
    Oder er notiert mein Anliegen, vereinbart einen Termin für mich im Testzentrum, nennt mir Zeit und Ort, so dass ich dort einen Abstrich bekomme. Eine ggf. notwendige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann mein Arzt nach diesem telefonischen Kontakt ausstellen.
  • Das Testzentrum bekommt die Unterlagen von meinem Hausarzt. Diese sind unbedingt notwendig und nur mit diesen kann ein Abstrich durchgeführt werden.
  • Der Arzt im Testzentrum wird mich, wenn nötig, untersuchen und den Abstrich durchführen. Sollte der Arzt eine Behandlungsnotwendigkeit feststellen, bespricht er dies mit meinem Hausarzt und unterrichtet mich über eine eventuelle Behandlung.
  • Das Testergebniss bekommt mein Hausarzt und teilt es mir mit. Bei einem negativen Befund betreut mein Hausarzt mich wie gewohnt weiter. Ist der Test positiv erhalte ich zusätzlich einen Anruf vom Gesundheitsamt, welches mir weitere Verhaltensregeln mitteilt.
  • Bis zum Testergebniss gilt für mich eine häusliche Quarantäne, d.h. ich halte mich in meinem Haus/meiner Wohnung auf und distanziere mich von den mit mir lebenden Personen