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Ortsdurchfahrt Grasdorf

(Holle) Das Bistum Hildesheim bekommt seine erste Autobahnkirche und Deutschland die erste im „Doppelpack“: Neben der katholischen Kirche St. Marien in Grasdorf hat die Konferenz der Autobahnkirchenseelsorger am 14. und 15 März auch der nur wenige Meter entfernten evangelischen Kirche St. Nikolai den Status einer Autobahnkirche zuerkannt. Beide Gotteshäuser sollen voraussichtlich am 11. September ihrer neuen Bestimmung übergeben werden.

Als im 12. Jahrhundert in dem kleinen Ort Grasdorf die heute evangelische Nikolaikirche gebaut wurde und 1331 dann St. Marien als Sühnekapelle eines Grafen vom Wohldenberg, da dachte niemand daran, dass Grasdorf, und damit beide Kirchen, eines Tages von zwei Autobahnen und einer Schnellstraße eingekreist sein würden. Heute passieren auf der nahe gelegenen A7 etwa 65.000 Fahrzeuge pro Tag den Ort. In Richtung Braunschweig oder von dort kommend brausen auf der A39 etwa 40.000 Fahrzeuge vorbei. Beide Autobahnen verbindet die zur Schnellstraße ausgebaute B6. Genau dazwischen liegt Grasdorf, keinen Kilometer von der nächst gelegenen Autobahnausfahrt entfernt.

Ideale Bedingungen also für eine Autobahnkirche. Diesen Gedanken hatten schon vor einigen Jahren der katholische Pfarrer Stefan Lampe vom Wohldenberg, zu dem Grasdorf gehört, und sein evangelischer Amtsbruder Pastor Peter Michael Wiegandt. Seit 2009 haben sie die Idee zweier gemeinsamer Autobahnkirchen voran getrieben und sich die Zustimmung ihrer jeweiligen Pfarrgremien eingeholt. Letzte Hürde waren die Autobahnseelsorger Deutschlands. Die bestimmen nämlich bei ihrer jährlichen Konferenz über die Anträge, neue Autobahnkirchen einzurichten. Dafür gibt es klare Vorgaben: Eine solche Kirche darf nur einen Kilometer von einer Autobahnabfahrt entfernt liegen, muss verlässlich geöffnet sein und über einen Parkplatz mit Toilettenanlagen verfügen.

All dies ist in Grasdorf vorhanden beziehungsweise wird noch eingerichtet: St. Marien hat einen ausreichend großen Parkplatz vor der Kirche und sanitäre Anlagen sind im nahe gelegenen Pfarrhaus zu finden. Dies und das dahinter stehende pastorale Konzept überzeugte die deutschen Autobahnseelsorger. Bei ihrer jährlichen Konferenz am 14. und 15. März in Kassel gaben sie den beiden engagierten Pfarrern aus Grasdorf einstimmig grünes Licht für deren Vorhaben. Nun müssen die dafür sorgen, dass ihre Kirchen regelmäßig geöffnet sind. Pfarrer Lampe denkt daran, einen Freundeskreis zu gründen. Außerdem sollen neue Broschüren und ein Anliegenbuch ausgelegt und Kerzenständer aufgestellt werden. Geplant ist, dass beide Kirchen am 11. September, dem „Tag des offenen Denkmals“, ihrer Bestimmung übergeben werden. Dann sollen auch Autobahnschilder auf die neuen Autobahnkirchen aufmerksam machen. Beide Pfarrer wollen in Grasdorf eine Atmosphäre schaffen, „in der Reisende seelisch auftanken können.“ Eigene Gottesdienste für Autofahrer soll es vorerst nicht geben. Pfarrer Lampe freut sich auf seine „neuen Gemeindemitglieder“, wie er sie schon heute nennt, gemäß dem Motto seiner Gemeinde: „Fremde sind Freunde, die wir noch nicht kennen.“

Die erste Autobahnkirche wurde 1958 in Adelsried eingeweiht. Zurzeit gibt es 38 Autobahnkirchen in Deutschland, davon zwei in Niedersachsen. Die meisten von ihnen sind evangelisch, katholisch oder werden ökumenisch getragen. Autobahnkirchen werden jedes Jahr von etwa einer Million Menschen besucht.

Artikel aus www.bistum-hildesheim.de