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"Piraten - oder der zerbrochene Bug" - Landschaftstheater des Forum Heersum
(Holle) Sie schreiben nicht mit dem Füller, sondern mit dem Schwert. Ihre Tinte heißt Blut. Und ihr Auftrag lautet: alle Musik der Welt zu klauen, um damit Ralph Segel endlich das Musikmonopol zu bescheren.

Als Lohn für diese Tat winken Käpt’ Dingsda (Arnd Heuwinkel) und seinen Piraten Rum und Ehre. Auf die Schwertfische, fertig, los, heißt es diesmal in und um Holle. Das Forum Heersum hat mit seinen 120 Darstellern Grundschule, Sportplätze und Weizenfelder geentert. „Piraten – oder der zerbrochene Bug“ ist der Titel des diesjährigen Landschaftstheaters, in dem der „Fluch der Karibik“ auf die volkstümliche Hitparade, die spanische Inquisition auf Ratten und Udo Lindenberg treffen. Und am Rande Popeye und seine Olivia grüßen.

Zum Start bei strahlendem Sonnenschein – Petrus lässt es zur Premiere tatsächlich nur während der Pause und nach dem Ende regnen – begrüßt Regisseur Uli Jäckle die rund 400 Mitläufer und verspricht ein „großes Abenteuer mit einer Spielzeit von drei bis acht Stunden“. Gut vier Stunden und wenige Kilometer später treffen sich die bestens gelaunten Heersum-Fans auf einer eigens aufgeschütteten Insel zum großen Happy-End.

Musikpiraterie ist das Thema, dem Carsten Schneider und Suzanne Hensel schreiberisch ihren Wortwitz verliehen haben und das von Jäckle und seinem Team den Gegebenheiten und Darstellern angepasst wird. So braucht ein solch wunderbarer Neuzugang wie Jockel Heine-Ahne als sächselnder Moses mehr Text. Oder ein herzallerliebst aufspielendes Liebespärchen wie Claudio Gottschalk-Schmitt als Ralph Segels Sohn Siggi oder Lynn Hruschka als Piraten-Tochter Anita besonderen Raum.

Grandios die vielen Gefährte, die Thomas Rump erfunden hat, vor allem das Segelboot der Piraten ist imponierend. Und Elena Anatolevnas Kostüme sind üppiger und greller als je zuvor. Und weil die Musik in diesem Spektakel auch ohne Peter Frankenfeld Trumpf ist, haben Jochen Hesch und sein Team viel zu tun und werden dabei aufs kreativste von Marion Schorrlepp, Juli Noci und Marion Stegen als verdreifachte Lady Gaga unterstützt.

Das Ergebnis aller Bemühungen ist vor der Pause ein etwas zerrissenes und ziemlich skurriles Sammelsurium abenteuerlicher Szenen um singende Ratten, versagende Staubsauger, Piraten auf der Schulbank, Schüler auf dem Weg nach Borkum, faule Beamten, ein inkontinenter Opa und ein Musikfestival, bei dem den Instrumenten die Töne abgesaugt werden. Auch leidet all das immer wieder unter den großen Schauplätzen, die es dem Wind erlauben, die Worte wegzuwehen. Was das Verständnis nicht erleichtert. Doch dem geübten Heersum-Theater-Wanderer geht es auch nicht unbedingt um Inhalte. Die verrückten Stories mit ihren tollen Ideen und Wortspielereien sind schmückendes Beiwerk eines Gesamtkunstwerks. Das seinen Charme vor allem im zweiten Teil von „Piraten“ wunderbar deutlich vor Augen führt.

Wenn sich im Weizenfeld zur Rechten das bombastische Segelboot durch die Wogen wühlt und in den Wellen die Piraten verzweifelt nach den Anweisungen der Lehrerin (Melanie Friebe) das Schwimmen üben. Und zur Linken auf einem still gelegten Gleis hinter hohem Gras das Boot des Kardinal Ratzingers (Oliver Dressel) und der tödlichen Doris (Antonia Tittel) über das Meer zu gleiten scheint. Und all das – mit den begeisterten Menschen mittendrin – von sanften Hügeln, stolzen Bäumen und üppigen Feldern in einem herrlichen Licht umrahmt wird – dann ist das Landschaftstheater á la Heersum at its best.

Weitere Vorstellungen sind am 25. und 26. Juni, am 2. und 3. Juli, am 20., 21., 27. und 28. August sowie am 3. und 4. September (sonnabends um 15 Uhr, sonntags um 10 Uhr). Karten gibt es dienstags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr beim Forum Heersum, Telefon 05062 / 89380, im TicketShop der HAZ in der Rathausstraße sowie in den Filialen in Sarstedt und Bad Salzdetfurth.

www.forumheersum.de 

Artikel aus der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 20.06.2011