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(Holle)

Alljährlich erklimmen tausende Besucher, Wanderer und Kirchgänger den Wohldenberg. Denn an den Ausläufern des Hainbergs erhebt sich in 218 Metern eine prachtvolle Burganlage mit der hübschen barocken St. Hubertuskirche und dem freistehenden mächtigen Turm, dem sogenannten Bergfried. Das nachweislich über 800 Jahre alte Gemäuer ist „Residenz" der katholischen Pfarrgemeinde St. Hubertus.

Wer durch das große schwere hölzerne Eingangstor den Innenhof der ehemaligen Festung betritt, wird eine auffallende Entdeckung machen. Auf einer Tafel vor der Kirche steht: „Hier wird gebaut. An einer Kirchengemeinde. Baustelle der Zukunft. Schauplatz kommender Ereignisse. Unbefugte haben Zutritt. Niemand ist an der Leine zu führen. Spielende Kinder sind erwünscht. Es darf gelacht werden. Bürger, entfaltet eure Anlagen! Das Betreten des Rasens ist angeboten." So werden Besucher begrüßt und herzlich willkommen geheißen.

„Burgherr" StefanLampe, Pfarrer der Wohldenberger Kirchengemeinde, begrüßt so manchen Besucher persönlich. Wenn er auf die Bedeutung des Plakattextes angesprochen wird, schmunzelt er anfangs. Dann wird er ernst, zögert aber nicht lange und erklärt: „Sichtbar werden wir zunächst am Wohldenberg nichts bauen oder baulich verändern. Der Begriff Baustelle ist im übertragenen Sinn so zu verstehen, dass wir als Gemeinde nicht mit dem zufrieden sein dürfen, was ist, sondern auf der Suche nach Antworten bleiben, wie Kirche künftig aussehen muss, um nicht als Museum zu enden. In dieser Gefahr steht heute jede Gemeinde und ist insoweit herausgefordert, dieser Entwicklung entgegen zu steuern."

In seiner gedanklichen Innovation greift Lampe wieder das Wort „Baustelle" auf und wird konkreter. Der Wohldenberg soll 2010 ein „heiliger Berg" werden. Ein Ort, wo Menschen Kraft schöpfen und seelisch auftanken können, sagt er. „Eigentlich kann das jetzt schon jeder, denn Kirche, Toilette und Turm sind täglich für jeden geöffnet", betont er. Doch damit nicht genug. Im Kopf des Pfarrers steht eine neue Idee: Er möchte einen etwa einen Kilometer langen Pilgerweg am Wohlenberg anlegen, der schließlich am Bergfried endet. Auf diesem Pfad sollen Besucher an mehreren Stationen etwa wie an einer Mauer, einem Brunnen, im Eichenwald oder auf dem Friedhof Pause machen und nachdenken, „was unserem Leben Sinn und Halt gibt". Für dieses Projekt ist Lampe aber auf Sponsoren angewiesen, um die er sich bemüht.

Mit einer zweiten „Baustelle"möchte der Kirchenmann die Jugendlichen in der Vorbereitung auf die Firmung noch enger mit ins Boot nehmen. „Sie sollen Kirche und Glauben neu entdecken und wissen, dass ihr Leben stets eine Baustelle bleibt. Das heißt, wir müssen möglichst Anreize geben und diesen Weg gemein­sam mit den Jugendlichen, aber auch Erwachsenen gehen" Für sich selbst schätzt Lampe ein Zitat von Papst Johannes XXIII. hoch ein: „Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schöne Zu­kunftbestimmt ist." Unter diesem klerikalen Leitspruch möchte er bald mit den Projekten am Wohl­denberg beginnen und hofft auf breite Unterstützung.