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(LKHi 12-4-015) Frau M. weiß nicht mehr weiter. Gerne würde sie ihre 82jährige Mutter zu Hause selbst pflegen. Dies hat sie mit Hilfe eines Pflegedienstes schon die letzten 5 Jahre gemacht. Nun hat sich jedoch der Gesundheitszustand der älteren Dame verschlechtert, so dass Frau M. in Zukunft mehr Zeit zu Hause bei der Mutter verbringen müsste. Dies könnte sie jedoch mit ihren Arbeitszeiten nicht vereinbaren. Die scheinbar einzige Lösung wäre der Umzug ins Altenheim. Damit sind aber weder Frau M., noch ihre Mutter, glücklich.
   So wie Frau M. geht es vielen Menschen, denn in Deutschland werden ca. 1,7 Million Menschen zu Hause von Angehörigen und Pflegediensten versorgt. Von noch berufstätigen Angehörigen möchten auch 79 Prozent ihre Angehörigen selbst pflegen, oftmals mangelt es hierfür leider an Zeit.    Ab dem 01.01.2012 könnte die Lösung hierfür die neue Familienpflegezeit sein.
   „Es gibt eine breite Mehrheit in unserem Land, die bereit ist, für ihre Angehörigen da zu sein, wenn diese ihre Hilfe am meisten brauchen. Mit der Einführung der Familienpflegezeit können Berufstätige sich Zeit für Pflege nehmen ohne allzu große finanzielle Einbußen und ohne Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Das ist ein innovatives Modell, das die Bürgerinnen und Bürger entlastet, ohne die Sozialsysteme zusätzlich zu belasten. Mit der Familienpflegezeit stützen wir die Familie als Verantwortungsgemeinschaft“, erklärte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.
   Das Modell der Familienpflegezeit orientiert sich an dem Modell der Altersteilzeit. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen eine Vereinbarung über die Familienpflegezeit schließen. Es besteht für Arbeitnehmer die Möglichkeit ihre wöchentliche Arbeitszeit für höchstens 2 Jahre auf bis zu 15 Stunden zu reduzieren, wenn sie einen Angehörigen pflegen. Als Beispiel: Frau M. reduziert ihre Arbeitszeit in der Pflegephase auf 50 Prozent, würde aber weiterhin 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens erhalten. Zum Ausgleich muss sie nach der vereinbarten Pflegezeit wieder voll arbeiten, erhält aber in dem Fall weiterhin nur 75 Prozent ihres Gehalts, so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist.
   Für die Zeit der Pflegephase muss Frau M. eine Versicherung abschließen, um die Risiken einer Berufs- und Erwerbsunfähigkeit für ihren Arbeitgeber zu minimieren. Die Kosten für die Versicherung sind gering und die Versicherung endet mit dem letzten Tag der Lohnrückzahlungsphase der Familienpflegezeit. Der Arbeitgeber von Frau M. kann zur Finanzierung der Pflegephase ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen. Dieses Darlehen wird dann in der Nachpflegephase zurückgezahlt.
   Nicht zu vergessen sind hierbei die späteren Rentenansprüche von Frau M., wenn sie in den Ruhestand wechselt. Ein Erhalt der Rentenansprüche setzt sich während der Familienpflegezeit aus den Beitragszahlungen des Arbeitgebers und Leistungen der Pflegeversicherung zusammen. Dadurch bleibt später der Rentenanspruch etwa gleich mit dem Anspruch der Vollzeitbeschäftigung.
   Sofern Frau M. von dem Modell der Familienpflegezeit Gebrauch machen will, muss sie eine Vereinbarung mit ihrem Arbeitgeber treffen. Der Arbeitgeber ist jedoch nicht dazu verpflichtet, diese Vereinbarung abzuschließen, da ein Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit nicht besteht. Für Rückfragen und weitere Informationen zum Thema Pflege steht der Pflegestützpunkt Hildesheim, Bischof-Janssen-Str. 31, Zimmer 160, 31134 Hildesheim, Tel. 05121/309-1601 oder 1602 und der Pflegestützpunkt Alfeld, Ständehausstr. 1, Zimmer 13, 31061 Alfeld, Tel. 05181/704-8131 oder 8132 gern zur Verfügung.