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(LKHi 11-4-026) Seit im Jahr 2002 die Möglichkeit der sogenannten Erziehungsbeauftragung in das Jugendschutzgesetz aufgenommen wurde, dürfen sich unter bestimmten Voraussetzungen auch Minderjährige sogar bis nach Mitternacht in einer Gaststätte oder Diskothek aufhalten:  entweder in Begleitung eines Elternteils oder wenn die Eltern ihr Kind einer anderen volljährigen Person anvertrauen und hierfür eine bestimmte Bescheinigung ausstellen.
   Sabine Levonen, Fachdienstleiterin im  Jugendamt des Landkreises Hildesheim, hat zu diesem Zweck schon vor Jahren einen Muster-Vordruck entwickelt, den  Eltern und erziehungsbeauftragte Personen unterschreiben können. Wird diese Bescheinigung zusammen mit den Personalausweisen am Eingang der Diskothek vorgelegt, steht dem Partyvergnügen nichts mehr entgegen. Viele Diskotheken verlangen das Schriftstück, bevor sie Minderjährige überhaupt hinein lassen oder unterbrechen die Veranstaltung kurz vor Mitternacht, um die über 16-Jährigen, die ohne Begleitung gekommen sind, zum Gehen aufzufordern.

Verantwortung für den ganzen Abend
   Die Tragweite der Erziehungsbeauftragung ist jedoch nach Levonens Einschätzung nicht immer allen Beteiligten deutlich: Die beauftragte Person verpflichtet sich den ganzen Abend die Verantwortung für den oder die Minderjährige zu übernehmen, muss sich immer in der Nähe aufhalten und hat auch dafür Sorge zu tragen, dass er oder sie die gesetzlichen Bestimmungen zum Verzehr von Alkohol oder zum Rauchen einhält. Auch der sichere Heimweg gehört zu den Aufgaben, die man mit der Unterschrift übernimmt.      
   Die Erziehungsbeauftragung ist jedoch nur solange gültig, wie die von den Eltern beauftragte Person selbst keinen Alkohol oder andere Drogen konsumiert hat. Deshalb  werden bei Jugendschutzkontrollen nicht nur Atemalkoholtests bei den Jugendlichen, sondern auch bei den Begleitpersonen durchgeführt. Und wenn der Test dann positiv ausfällt, ist der Abend zu Ende und die Jugendlichen müssen von ihren Eltern abgeholt werden. „Leider reagieren einige Eltern ungehalten, wenn sie nachts vom Jugendamt oder der Polizei angerufen werden.“ berichtet Levonen, „Manche Eltern haben gar ihr Telefon ausgestellt, weil sie nachts nicht gestört werden wollen“.
   Auch angesichts der häufigen Berichte über tragische Verkehrsunfälle auf dem Heimweg aus der Disco rät Levonen deshalb allen Eltern, sich genau zu überlegen, wem sie ihr Kind für einen Abend anvertrauen. „Vater oder Mutter sollten für ihr Kind immer erreichbar sein und es  notfalls selbst abholen, wenn der Fahrer wider Erwarten doch Alkohol getrunken oder es Streit gegeben hat.“

Formular Erziehungsbeaufragung im Internet abrufbar
   Auch in diesem Jahr werden Ordnungsamt, Polizei und Jugendamt wieder stichprobenartig Jugendschutzkontrollen durchführen. Und dabei steht nicht im Vordergrund, möglichst viele Minderjährige aufzugreifen, die sich unrechtmäßig oder vollkommen betrunken in Gaststätten oder Diskotheken aufhalten. „Wir sind immer froh, wenn die Kontrollen ergeben, dass alles in Ordnung ist.“ Der Vordruck für die Erziehungsbeauftragung kann auf der Homepage des Landkreis Hildesheim downgeloadet werden.