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Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

2014 liegt fast hinter uns und zurückblickend können wir feststellen, dass es für unsere Region Hildesheim wieder ein gutes Jahr war.  

In Deutschland ist die Einschätzung ähnlich, wenn auch die zukünftigen Risiken von den Experten eher vorsichtig - aber nicht negativ – eingeschätzt werden. Grundsätzlich ist die wirtschaftliche Situation unverändert gut, was auch, zumindest auf den ersten Blick, für den Arbeitmarkt gilt. Schlimm sind allerdings die Zustände, die sich in unserem reichen Land in einigen Branchen breitgemacht haben. Es geht um die rund 1,7 Mio. Billiglöhner, die für weniger als fünf Euro die Stunde im Gartenbau, auf Großmärkten, in der Fleischindustrie oder auf dem Bau beschäftigt werden. Seit 2008 hat sich Zahl drastisch erhöht. In kaum einem anderen europäischen Land ist die Zahl der Mindestlöhner (Ausnahme Slowakei und Irland) so groß wie im reichen Deutschland, wie das Institut für Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen gerade veröffentlicht hat. Noch eine erschütternde Zahl: 19,2 Prozent aller Beschäftigten arbeiten für weniger als 8,50 Euro in der Stunde – und das in einem der stabilsten Länder in der EU! Dies sind Fehlentwicklungen, die es dringend zu stoppen gilt,  wenn man auch die sozialen Folgen der Zukunft bedenkt.

Von Naturkatastrophen wurde die Welt in 2014 weitgehend verschont, wofür wir alle sehr dankbar sein sollten. Aber wir können uns nicht in Sicherheit wiegen. Die Klimaveränderungen werden auch bei uns zu einer erheblichen Veränderung der Wetterlagen führen. Verantwortlich sind wir in jedem Fall: für die Veränderungen in unserem Leben genau so, wie für die durch die Veränderungen des Klimas herbeigeführten Schäden und Katastrophen. Deshalb will der Landkreis bis 2050 energieautark sein und will dieses Ziel mit der Gründung einer Klimaschutzagentur umsetzen.

Bedrohlich ist auch die dramatisch angewachsene Zahl der militärischen Konflikte oder gar Kriege. Syrien, der Irak, die Ukraine und immer wieder der Afrikanische Kontinent machen uns das täglich deutlich. Wir spüren das auch, weil die bedrohten Menschen dieser Welt nach Europa streben, in der Hoffnung auf Sicherheit und eine bessere Zukunft. Die zunehmenden Flüchtlingszahlen auch in unserem Landkreis fordern täglich Lösungen. Wir stehen wieder einmal vor neuen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Dabei sind es mehr und mehr Menschen in den Gemeinden und Städten, in den Kirchen und Vereinen, die sich freiwillig und ehrenamtlich für die Asylsuchenden einsetzen. Diesen Menschen und Initiativen gilt mein besonderer Dank. Das ist praktizierte Nächstenliebe.  

Auch Ende dieses Jahres ist das Thema Kreisfusion weiter aktuell. Leider werden hier in der politischen Diskussion immer wieder „Argumente“ eingesetzt, die mit der Realität wenig zu tun haben. Es geht hier ganz nüchtern um die Einleitung von Prozessen, die sehr viel damit zu tun haben, unsere Region in der Zukunft wetterfest zu machen. Wenn man in den Jahren bis 2030 rund 30.000 Einwohner in den Landkreisen Peine und Hildesheim verlieren wird, muss man sich schon Gedanken machen. Zukunftsorientierte Politik – auch Kommunalpolitik – muss sich nicht nur nach Wahlperioden ausrichten. Angesichts erheblicher Defizite in der Infrastruktur und im Bildungsbereich wird es Zeit, die Koordinaten neu auszurichten. Fakt ist, das der Staat auf allen Ebenen unterfinanziert ist. Weil das so ist, muss Schluss sein mit einer weiteren Verschuldung. Wenn Defizite erkennbar werden, dann muss gehandelt werden. Das gilt für die kommunalen Strukturen genau so, wie zum Beispiel für die Höhe der Kreisumlage - jeder muss aber auch das Ganze im Auge haben, seiner Verantwortung gerecht werden! Wir müssen endlich aufhören, die Finanzierung der Gegenwart den nachfolgenden Generationen zu überlassen. Darum muss auch weiterhin alles getan werden, um die Verschuldung des Kreishaushalts weiter zurückzuführen. Trotz einiger Wolken am Horizont haben wir beste Voraussetzungen, um weiter Erfolg zu haben. Wir leben in einer landschaftlich reizvollen Region, die wunderschön ist und die aufgrund ihrer Infrastruktur alles bietet, was Menschen zum Leben, zum Lernen und zum Arbeiten benötigen. Wir müssen aber erkennbar mehr dafür tun, um dass zu erhalten.

Es gibt 2015 auch was zu feiern. Die Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr 1200 Jahre Stadt und Bistum Hildesheim laufen auf Hochtouren und werden auch mit dem Tag der Niedersachsen viele Gäste zu uns führen, die mit uns feiern wollen. Lassen sie uns gemeinsam dafür eintreten, die Gäste aus nah und fern herzlich bei uns zu begrüßen. Unser Gemeinwesen funktioniert auch deshalb gut, weil Bürgerinnen und Bürger in den Vereinen und Verbänden, Initiativen und Organisationen mit Hand anlegen, wo Einzelne oder auch der Staat überfordert ist. Daher gilt Feuerwehren und Hilfsorganisationen unser besonderer Dank für ihren großen Einsatz in den Städten und Gemeinden. Als Landrat kann ich das nicht oft genug betonen.

Mein besonderer Dank gilt auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den letzten Jahren – unter hohem Konsolidierungsdruck – Großes geleistet haben. Ich will mich aber auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die Dienstleistungen des Landkreises auf einem hohen Niveau für die Bevölkerung vorgehalten werden. 

Für das bevorstehende Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und allen Menschen, die Ihnen wichtig sind, besinnliche und gesegnete Feiertage. Genießen Sie die freien Tage! Für das Jahr 2015 wünsche ich Ihnen Glück, Gesundheit und Gottes Segen. 

Hildesheim, im Dezember 2014 

Reiner Wegner

Landrat