Seiteninhalt

Hotteln

 


Das Wappen des Ortsteils Hotteln

 

 


Wer in den Tagen der Fastnacht durch Hotteln kommt, kann sich davon überzeugen, dass von den Junggesellen des Dorfes eine alte Fastnachtstradition gepflegt wird. Beim Heische-Umzug am Samstag vor Rosenmontag sind sie zu sehen, zwei Wurstträger in Schlachterjacken mit gemeinsam getragener Wurstgabel und zwei Kiepenfrauen zum Eiersammeln. Begleitet von vier Plumpsäcken, weißgekleidet, mit weißer Zipfelmütze und weißer Maske laufen sie vor der Gruppe her und um sie herum und schlagen vor allem Kinder und Mädchen, aber auch die erwachsenen Zuschauer mit einem gefüllten Strumpfbeitel. Während des Umzuges werden Eier, Wurst und Spirituosen gesammelt. Auch die Aufführung des "Putzetanzes", der eine schaurige Geschichte erzählt, wonach einem durchreisenden Schirmflicker von einem Barbier beim Rasieren die Kehle durchgeschnitten wird. Vom Wunderdoktor Hasenfuß zu neuem Leben erweckt, wird der Barbier vom Dorfpolizisten verfolgt und letztendlich das "Hohe Vergnügungsgericht" den Barbier zu einer gerechten Strafe verurteilen.

Turbulente Tage in dem sonst so romantisch zwischen Wiesen und Feldern gelegenen, abseits vom lauten Straßengetriebe, vier Kilometer nordöstlich von Sarstedt entfernten Hotteln, ein in seinen Zügen noch bäuerlich geprägtes Dorf. Hotteln, früher auch Hottenhem oder Hottenem, liegt in jener Gegend, die in alten Zeiten zu dem Gau Ostfala gehörte und in Grafschaften eingeteilt war.

835 wurde Hotteln zum ersten Male erwähnt. In den "Traditiones Corbeienses", den Überlieferungen des Klosters Corvey, verzeichnet, steht, dass ein Ricdag für den verstorbenen Bernic dem Kloster dessen Besitz in Hottenhem übergab. Zwei Jahrhunderte später wurde dieser Besitz noch einmal genannt. Der Corveyer Abt Saracho zeichnete etwa im Jahre 1060 auf, dass Eio in Hottenhem 20 Morgen habe und davon dem Kloster jährlich je 20 Scheffel Weizen und ebenso viel Gerste abliefern müsse. Der Bauer Eio bewirtschaftete als Klostermeier das am Kloster 835 geschenkte Land und hatte davon Abgaben zu leisten, so, wie es die Pflicht aller Bauern gegenüber ihren "Gutsherren" bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war.

Hotteln kann das Recht für sich in Anspruch nehmen, zu den ältesten Orten in Niedersachsen zu gehören. Anlässlich der 1150-Jahr-Feier wurde in einem historischen Theaterstück die Geschichte des Dorfes mit stehenden und bewegten Bildern aufgezeigt und der Lebendigkeit des Ortes aus der Zeit um 835 wurde noch einmal Ausdruck verliehen. Ein Gedenkstein am Thieberg erinnert an die Ersterwähnung des Dorfes. Zwischen herausgeputzten Ziegelhäusern und gepflegten Hinterhöfen erhebt sich groß und weiß Hottelns Gotteshaus, umgeben von Gräbern, die Auskunft geben über die Menschen, die hier einst lebten und mit der Geschichte des Dorfes verwurzelt waren. Die Pfarrkirche, eine einschiffige Bruchsteinkirche, einst auf dem höchsten Punkt erbaut, ist das älteste Gebäude. Die Kirche hat einen romanischen Wehrturm, dem 1532 ein spätgotisches Glockengeläut aufgesetzt ist. Das Kirchenschiff ist aus gotischer Zeit und das wohl etwas jüngere Chor wurde 1794 vollständig erneuert.

Der Mittelpunkt des Dorfes war von alters her der Thieberg an der heutigen Hottelner Straße. Nicht nur seiner Lage nach war der Thieberg Mittelpunkt, er war es auch hinsichtlich all dessen, was im Dorf geschah. Jung und alt trifft sich hier. Ein Kommunikationszentrum im Herzen des Dorfes. Ein großer Findling, einst in der Gemarkung gefunden, erhebt sich auf dem Thieberg, dem 1923 das Ehrenmal für die Gefallenen angegliedert wurde. Aus Anlass der 100-jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig am 18.10.1913 fand hier eine Gedenkfeier statt, an der die gesamte Einwohnerschaft teilnahm. An diesem Tage wurden auch die drei Eichen gepflanzt, die heute mit ihren gewaltigen Baumkronen dem Platz eine besondere Note geben und zum Verweilen und zur Besinnung einladen.

Der Thieberg war ein großer Wasserspeicher, deshalb galt Hotteln in der ganzen Gegend immer als ein wasserreiches Dorf. Bereits um 1850 wurde im Unterdorf eine Wasserleitung gebaut, die aus dem Brunnen am Thieberg gespeist wurde. Im Oberdorf gab es eine Pumpengemeinschaft. Im Jahre 1930 brach im Unterdorf eine Typhusepidemie aus, deren Ursache in dem verseuchten Wasser der Wasserleitung zu suchen war. Eine große Zahl von Erkrankungen gab es und auch Tote waren zu beklagen. Der Brunnen wurde daraufhin geschlossen und ostwärts vom Dorf wurde im Rethling ein neuer Brunnen gebaut. Somit konnte auch das Oberdorf an die Wasserversorgung mit angeschlossen werden. Ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte im Dorf nach dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Entstehen der Deutschen Nation ein. Die Bauern begannen mit dem Anbau von Zuckerrüben, denn der Boden war hierfür bestens geeignet. Landwirtschaft war in Hotteln einst dominierend. Heute sind es nur noch wenige Betriebe und ein Rückgang der Landwirtschaft zeichnet sich auch hier ab.

Die Dorferneuerung und eine rege Bautätigkeit haben auch vor Hotteln mit seinen 572 Einwohnern nicht halt gemacht. Neue Baugebiete wurden erschlossen und wer nach Hotteln zieht, wird schnell erkennen: die Vereine erfüllen das Dorf mit Leben und sind ein wichtiger Punkt in der Dorfgemeinschaft. Feuerwehr, Sportvereine, Gemischter Chor, Junggesellenschaft, pflegen die dörfliche Tradition. Nicht unerwähnt bleiben darf das einstige Wahrzeichen von Hotteln. Von Gödringen kommend am Ortseingang stand die mit französischer Lizenz 1812 erbaute Bockwindmühle, die seit 1865 im Besitz der Müllerfamilie Warmbold war. Generationen der Familie Warmbold haben sie betrieben und die Hottelner mit Mehl und Schrot versorgt. Im Jahre 1974 wurde sie abgebrochen und in Mollenfelde bei Göttingen im dortigen Brotmuseum wieder aufgebaut. Inzwischen steht die Bockwindmühle im Brotmuseum Ebergötzen. Am Standort der ehemaligen Mühle erinnert heute ein Gedenkstein an das frühere Wahrzeichen Hottelns.