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(Schellerten/sky) Hereinspaziert zur Kirchentour: Hans-Georg Schrader, Gerda Mayer und Heike Klapprott vor dem Barockaltar in der Schellerter Kirche, einer von 13 Kirchenstationen, die am kommenden Sonntag in der Gemeinde mit ihren Besonderheiten vorgestellt werden. Foto: Mierzowsky

Warum hat eigentlich Moses Hörner auf dem Kopf und der Engel einen Hut auf? Warum sind Kirchturmhelme mal spitz, gedrungen oder gewölbt? Und warum hat Wikipedia nicht automatisch recht, nur weil es im Internet ist? Fragen, auf die die Heimatpfleger in Schellerten antworten können. Kenntnisreich, präzise und angetrieben vom eigenen Wissensdurst. An drei Sonntagen stellen sie ihre 13 Kostbarkeiten in der Gemeinde Schellerten vor. Auftakt ist am kommenden Sonntag, 31. Juli, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr. 13 Kirchen in elf von zwölf Orten. Jede ist auf ihre Art anders, aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten, erzählt Gemeindeheimatpflegerin Gerda Mayer aus Wöhle.

Zum Beispiel Arbeiten des Hildesheimer Historien-, Porträt- und Kunstmalers Friedrich Eltermann, der durch seine Auftragsarbeiten in der gesamten Region Ende des 19. Jahrhunderts gewirkt hat. Einer Zeit, in der der sogenannte Historismus hohe Wellen schlug. Es war damals chic, im „alten Stilfundus zu suchen und Kirchen auch durch Objekte neu zu gestalten“, sagt Gerda Mayer.

Doch die Kirchenkenner gehen historisch auch zu denAnfängen zurück,wollen ihre Besucher am Sonntag auf den wehrhaften Charakter und den Kirchenbau im Wandel der Zeiten aufmerksam machen. Sechs Themen haben sie zu Flyern verarbeitet, Auszüge aus dem gemeinsamen Band „Unbekanntes entdecken - Kirchen in der Gemeinde Schellerten“.

Das Besondere dabei ist, dass alle Heimatpfleger über ihre eigenen Kirchturmgrenzen hinweg zusammenarbeiten, lobt Fachbereichsleiter Stefan Lindinger die Crew der 44- bis 76-Jährigen Damen und Herren, die unter anderem im Rathaus der Gemeinde Schellerten das Archiv verwalten und jeden Dienstag von 9 bis 12Uhr eine Sprechstunde anbieten.

Ihr Kirchenbuch, erst im Oktober erschienen, ist längst vergriffen. Aber für eine Neuauflage fehlt das Geld, sagt Hans-Georg Schrader, Heimatpfleger in Ottbergen.

Doch die Nachfrage ist so groß, dass sich das Team entschlossen hat, an drei Sonntagen die Türen aller 13 Kirchen zu öffnen und für die Besucherfragen zur Verfügung zu stehen, also auch der Frage, warum der Mose in der Oedelumer Kirche eigentlich Hörner trägt. So viel sei verraten, mit dem Teufel hat das nichts zu tun, lacht Gerda Mayer.

Sie haben sich so gut auf ihre Kirchen vorbereitet, dass sich der Ausflug in die Gemeinde Schellerten für ganze Familien lohnen wird. Liebevolle Details schmücken die Bauten sowohl innen als auch außen. Wie an der Nordwest-Ecke der evangelischen Kirche in Schellerten, die Ecksteine erzählen gewissermaßen die wechselhafte Baugeschichte, die ihren Ursprung im 14. Jahrhundert hat.

Seit vielen Jahren wirkt Gerda Mayer bereits wie einständig schnurrender Motor in der Gemeindeheimatpflege und hat es geschafft, einen gemeinsamen Verbund zu schaffen, der vor Ideen nur so sprüht, sich aber auch aufs Banner geschrieben hat, gründlich und nur mit gesicherten Fakten zu arbeiten. Kein Wunder also, dass zum Beispiel Heike Klapprott nicht besonders gut auf Wikipedia zu sprechen ist, auf dessen Schellertenseite gravierende Fehler auftauchen. „Wir haben immer wieder versucht, das ändern zu lassen“, sagt sie, „aber es ist nichts passiert.“ Im Gegenteil, einer der unbekannten Online-Autoren habe es sogar geschafft, die Burg Steinbrück an die Marienburg zu verlegen, ärgert sie sich. Wer nun aus erster Hand über Regional- und Kirchengeschichte mehr erfahren möchte, ist an den Sonntagen, 31. Juli, 21. August und 4. September, jeweils von 14 bis 18 Uhr dazu eingeladen. Das komplette Programmlässt sich als pdf-Datei auf der Internetseite der Gemeinde Schellerten herunterladen.

(geänderter) Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors (Norbert Mierzowsky/Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

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